Wirtschaftskrise: Die Götterdämmerung

Selbst in den Köpfen der eingefleischten Berufsoptimisten kommt es langsam an. Die Staatsverschuldungen sind einfach zu gross. Die Abwechslung,- diesmal leidet der Euro, und nicht der Dollar. Der hat schon gelitten. Wie lange noch,- das ist die Frage, wird das aufgeblähte Kapitalsystem noch durchhalten? Denn zieht man die Verschuldungskurven weiter in angedeuteter Richtung, ist es wirklich nur noch eine Frage von wenigen Monaten, bis höchstens 2 Jahre, bis das ganze Gefüge platzt. Dann aber sind keine vertuschenden Geldspritzen mehr möglich,- die Staatshilfen sind verpufft. Und danach? Es wird einfach eine Finanzreform geben, mit den Folgen, dass die Staaten wieder Schuldenfrei, und die Bürger ihr sauer Erspartes los werden. Und weil die Menschheit nix dazu lernt,- fängt alles wieder von vorne an.  GZ

Die Sorge vor Staatspleiten in Griechenland und Portugal drücken die Börsen tief ins Minus: Der Dax beendet die Woche mit herben Verlusten, auch an anderen europäischen Aktienmärkten ging es steil bergab. Der Euro sackte auf den tiefsten Stand seit Mai 2009 - Analysten fürchten schon den Währungs-Crash.

Die Horrordefizite in Griechenland und Portugal verunsichern die Anleger, auf breiter Front sind die Aktienkurse am Freitag eingebrochen: Der Dax verlor 1,79 Prozent und schloss bei 5434 Zählern; im Wochenverlauf rutschte er um mehr als drei Prozent ab. Der MDax  fiel um 2,89 Prozent auf 7243 Zähler, der TecDax  um 2,69 Prozent auf 775 Punkte ab.

In ganz Europa waren die Anleger verunsichert. Der Madrider Leitindex Ibex verlor 1,35 Prozent. In Lissabon fiel das Börsenbarometer PSI 20 um 1,36 Prozent. An der Athener Börse brach der Leitindex Ftse Athex 20 um mehr als 4 Prozent ein. Am europäischen Markt fiel der EuroStoxx 50  um 2,8 Prozent auf 2631 Punkte. Die Börsen in Paris und London schlossen ebenfalls mit deutlichen Verlusten. Auch in den USA bewegten sich die Aktienmärkte zum Handelsschluss in Europa in der Verlustzone.

Auch der Euro  rutschte am Freitag weiter ab. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,3691 (Donnerstag: 1,3847) Dollar fest. Damit büßte die Gemeinschaftswährung binnen drei Tagen rund drei Cent ein und sank auf den tiefsten Stand seit Mai 2009.

Als Hauptgrund für die Verluste nannten Analysten die Angst vor einem Euro-Crash. "Die Anleger fragen sich, wie die Staaten die hohen Defizite refinanzieren können", fasste ein Händler die Stimmung zusammen. Vor allem in Griechenland ist die Haushaltslage katastrophal. Die sozialistische Regierung will das Defizit von fast 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2012 unter die erlaubte Marke von drei Prozent drücken. Die EU-Kommission hatte die griechischen Staatsfinanzen am Mittwoch unter ihre Aufsicht gestellt. Analysten zufolge ist es möglich, dass Griechenland für seine benötigten Anleihen nicht genügend Käufer findet und dann rechtlich ein Zahlungsausfall vorliegen würde.

Sollte dann keine Hilfe von den EU-Staaten oder dem IWF kommen und der Wert der Anleihen kollabieren, drohten beispielsweise europäischen Banken massive Abschreibungen, schreiben die Volkswirte der Commerzbank. "Derzeit steckt sich alles gegenseitig immer wieder an, auch wenn niemand wirklich daran glaubt, dass ein Staat in Europa von den anderen Mitgliedern hängengelassen wird", sagte ein Börsianer.

Wachsende Sorgen um Portugal

Neben Griechenland kämpft derzeit auch Portugal mit einem gewaltigen Haushaltsdefizit. Die sozialistische Minderheitsregierung von Ministerpräsident José Sócrates hatte erst vor wenigen Tagen eingeräumt, dass das Haushaltsdefizit 2009 mit 9,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts die schlimmsten Erwartungen um einen Prozentpunkt übertroffen habe. Die Staatsverschuldung soll in diesem Jahr nach Schätzungen von 76,6 auf über 85 Prozent des BIP klettern. Sócrates will in den nächsten zwei Wochen drastische Sparmaßnahmen bekanntgeben, mit denen das Defizit bis 2013 unter die zugelassenen drei Prozent gedrückt werden soll.

Doch die Opposition torpedierte am Freitag die Sparpläne der Regierung. Sowohl konservative als auch linksgerichtete Parteien billigten in einer Parlamentsabstimmung in Lissabon gegen den Willen der Minderheitsregierung ein Gesetz, das zusätzliche Finanztransfers an die autonomen Regionen in den Azoren und auf Madeira vorsieht - und so ein 400-Millionen-Euro-Loch in den Sparhaushalt reißt.

"Wir könnten in diesem kritischen Augenblick kein schlechteres Signal senden", klagte Minister Dos Santos. Der Minister für Parlamentsangelegenheiten, Jorge Lacão, kritisierte die Opposition nach verlorener Abstimmung als "politisch unverantwortlich". Um die Regierbarkeit des Landes zu garantieren, müsse die Regierung die Haushaltsautorität bleiben.

Wie groß die Angst vor einer Staatspleite in Portugal ist, zeigt der Risikoaufschlag von Kreditderivaten. Für Portugal schoss dieser Aufschlag am Freitag auf 227 Basispunkte hoch und damit in bisher nie gekannte Höhen. Händler sprachen von Panik an der portugiesischen Börse.

Angst vor einem europäischen Flächenbrand

Die desolate Lage in Portugal und Griechenland weckt inzwischen ernste Befürchtungen. "Ähnlich wie kürzlich die Finanzmarktkrise könnte sich auch diese Krise zu einem Flächenbrand entwickeln - mit Auswirkungen auf andere Länder, auf Bankensysteme und letztendlich erneut auf die Konjunktur", warnten die Devisenmarktanalysten der Commerzbank. "Doch im Gegensatz zur Bankenrettung letztes Mal gibt es jetzt unter Umständen keine Institution, die stark genug wäre einzuspringen."

Nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 hatten die Notenbanken in beispiellosen Aktionen die Märkte mit Liquidität geflutet, um einen noch größeren Konjunktureinbruch zu verhindern. EZB-Chef Jean-Claude Trichet hatte am Vortag angekündigt, im März Einzelheiten über den Ausstieg aus dieser Krisenpolitik bekannt zugeben.

Händler in ganz Europa wurden zudem von neuen Daten aus Amerika zusätzlich verunsichert. So lagen die Jobverluste in den Vereinigten Staaten seit Beginn der Rezession bei 8,4 Millionen und damit um 1,39 Millionen höher als bislang berechnet. "Was sicher nicht zur Beruhigung beigetragen hat, sind die revidierten Berechnungen des US-Arbeitsministeriums", sagte Marktstratege David Buik von BGC Partners in London. "Das zeigt nur, mit was für einer horrenden Rezession wir es eigentlich zu tun haben und dass eine Erholung viel weiter entfernt sein könnte, als wir bisher gedacht haben."

In Deutschland rutschen vor allem Technologiewerte ans Dax-Ende, wobei die Papiere von Infineon mit minus 3,67 Prozent auf 3,95 Euro der schwächste Wert waren. Die Aktien der Lufthansa  gaben 2,52 Prozent auf 11,04 Euro nach. Die Kursverluste von Bankenwerten sind laut einem Händler etwas abgemildert worden, da mit der weiter angespannten Lage am US-Arbeitsmarkt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in den USA in naher Zukunft gesunken sei. Die Aktien der Commerzbank gingen mit einem Minus von 0,69 Prozent auf 5,49 Euro aus dem Handel. Die Papiere der Deutschen Bank  fielen um 1,58 Prozent auf 43,19 Euro.

Aktien der Telekom hielten sich mit einem Abschlag von 0,31 Prozent auf 9,21 Euro vergleichsweise gut. Das "Wall Street Journal" hatte über einen geplanten Börsengang der amerikanischen Mobilfunk-Tochter berichtet. T-Mobile USA ist die Nummer vier auf dem US-Mobilfunk-Markt und eines der Sorgenkinder des Konzerns.

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